Kritische Lebensmittel in der Schwangerschaft

Sicherlich hast du bereits davon gehört oder gelesen, dass einige Lebensmittel für Schwangere nicht geeignet sind. So auf Anhieb fällt nun vermutlich jedem Alkohol ein. Bei genauerem Hinsehen ist die Liste mit „kritischen“ Lebensmitteln deutlich länger und hat in den letzten Jahrzehnten zugenommen. So war es beispielsweise vor 30 Jahren für Schwangere völlig normal Wurst und Käse zu essen ohne darüber nachzudenken, ob bei deren Herstellung die Zutaten erhitzt wurden oder nicht. Dank fortschreitender Forschung und vielen Studien in diesem Bereich gibt es heute Handlungsempfehlungen, die Schwangeren vor einigen Produkten warnen.

Kritische Lebensmittel

Warum gibt es Lebensmittel, die Schwangeren nicht empfohlen werden? Alles was du isst und trinkst wird in deinem Körper in die einzelnen Bestandteile aufgeschlüsselt und über die Plazenta an dein Kind weitergegeben. Es gelangen nicht nur Nährstoffe wie z.B. Zucker, Eiweiße, Fette, Vitamine und Mineralstoffe zu deinem Kind. Auch andere kleine Moleküle können die Plazentaschranke passieren. Hierzu gehören z.B. Koffein, Alkohol aber auch bakterielle Erreger, die zu einer Lebensmittelinfektion führen können.

Leider können wir den Lebensmitteln nicht ansehen, ob sie mit Erregern befallen sind, da wir die Keime weder sehen, schmecken noch riechen können. Es ist allerdings bekannt, dass krankmachende Erreger, wie z.B. Salmonellen, Listerien oder Toxoplasmose-Erreger vor allem durch rohe und nicht ausreichend erhitzte tierische Lebensmittel übertragen werden.

In der Schwangerschaft gilt es bei diesen Lebensmitteln besonders aufzupassen:

Fleisch, Geflügel, Fisch

Rohes Fleisch und roher Fisch stehen ganz oben auf der Liste der „kritischen“ Lebensmittel. Achte in der Schwangerschaft darauf, dass Fleisch- und Fischgerichte vollständig durchgegart wurden. Rohe Produkte, wie z.B. Mett (rohes Hackfleisch), Carpaccio, Tatar, Sashimi, Austern und Sushi, sind bedenklich. Bestelle dein Steak well done und brate dein Fleisch/Fisch durch. Das gilt auch für Garnelen und Krebstiere, die häufig vorgegart im Supermarkt angeboten werden. Ein erneutes Erhitzen direkt vor dem Verzehr schafft Sicherheit. Zum Schutz vor einer Listeriose sollten Schwangere auch geräucherte und gebeizte Fischprodukte, wie Räucherlachs, geräuchertes Forellenfilet, geräucherte Makrele, Graved Lachs und ähnliche Produkte, vermeiden.

Wurst

Was womöglich einigen Nicht-Vegetariern nicht bewusst ist, einige Wurstsorten bestehen tatsächlich aus nicht erhitztem Fleisch, sogenannte Rohwurst. Diese Wurstsorten, wie z.B. Salami, Teewurst, Cervelat, Cabanossi und rohe Pökelfleisch-Erzeugnisse wie Schwarzwälder Schinken sollten Schwangere nicht essen. Ausnahme, du erhitzt die Rohwurst, wie z.B. Salami auf der Pizza oder Speckwürfel im Essen. Wenn du mehr zu verschiedenen Wurstsorten wissen möchtest, insbesondere welche Wurstsorten für Schwangere geeignet sind, dann schau doch mal bei meinem Beitrag Geeignete Wurstsorten für Schwangere vorbei.

Eier

Wie bereits schon seit vielen Jahren bekannt ist, sind Lebensmittel mit rohen Eiern nichts für Schwangere. Sei vorsichtig bei Tiramisu, selbstgemachten Mayonnaisen, flüssiges Frühstücksei, Zabaione, Parfait oder anderen Speisen, die unerhitzte Eier enthalten. Achte auf eine gute Küchenhygiene, da sich auf der Eierschale Keime befinden können.

Milch und Milchprodukte

Milch, Milchprodukte und Käse aus Rohmilch können Erreger enthalten, die Listeriose auslösen können. Daher wird Schwangeren empfohlen pasteurisierte Milch und Milchprodukte zu konsumieren. Beim Erhitzungsvorgang werden die Erreger abgetötet. Greife zu erhitzter Milch aus dem Supermarkt statt zu Rohmilch vom Bauernhof. Achte auch bei der Käseauswahl darauf, dass Weich- und Schnittkäse aus pasteurisierter Milch hergestellt wurden. Bei Hartkäse aus Rohmilch verringert die lange Lagerung das Keimrisiko.

Wenn du dich auf die Suche nach Käse aus pasteurisierter Milch machst und Schwierigkeiten bei der Auswahl hast, dann schau dir doch meinen Beitrag Käseauswahl in der Schwangerschaft an. Dort habe ich für dich die unterschiedlichen Käsesorten unter die Lupe genommen und Produktbeispiele aus pasteurisierter Milch gemacht, die dir die Auswahl erleichtern.

Gemüse

Nicht nur Fleisch und Eier, auch bodennah gewachsenes Gemüse kann krankmachende Bakterien enthalten. Das trifft vor allem auf Gemüse zu, dass eine große Oberfläche hat, wie z.B. Blattsalate. Du kannst Gemüse, Blattsalate und Obst ohne Bedenken essen, wenn du die Produkte vor dem Essen gründlich unter fließendem Wasser wäschst und von rohen Lebensmitteln wie Fleisch und Eiern getrennt lagerst und verarbeitest. Schneide Gemüse nie auf einem Brett, auf dem du zuvor ohne es abzuwaschen rohes Fleisch geschnitten hast. Aufgrund der besonders hohen Keimgefahr sind Sprossen und Keimlinge in der Schwangerschaft nicht zu empfehlen.

Hygiene

Achte bei der Zubereitung deiner Speisen auf Sauberkeit, da sich potentielle Erreger auf rohen Zutaten, wie z.B. auf Fleisch und Fisch befinden können. Achte darauf, dass rohe Zutaten nicht mit bereits gekochten Speisen in Berührung kommen. Wasche deine Hände nach dem Kontakt mit rohem Fleisch/Fisch gründlich. Verwende saubere Schneidebretter, Küchenutensilien und Spüllappen. Versuche beim Einkaufen die Kühlkette nicht zu unterbrechen, denn Erreger vermehren sich mit zunehmender Temperatur sehr schnell. Eine Kühltasche mit Kühlakkus kann helfen, die gekühlten Einkäufe schnell und nur mit einem geringen Temperaturanstieg die Zeit zu überbrücken, bis die Produkte Zuhause sicher im Kühlschrank verstaut sind.

Auf den ersten Blick erscheint es sehr mühsam auf all das zu achten. Doch Schwangere, die den Verzehr von rohen tierischen Lebensmitteln vermeiden, senken das Risiko für Lebensmittelinfektionen deutlich. Und eine gute Küchenhygiene sowie das Händewaschen nach dem Toilettengang sind für uns alle wichtig, unabhängig ob schwanger oder nicht.

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